Ein Zulieferer fragt, nach welchem Dokument Polyurethan geliefert werden soll, nach Norm oder nach technischer Spezifikation, und der Besteller ist unsicher, weil in der Zeichnung nur der Teile-name steht. In der Praxis versagt ein Knoten nicht wegen des Normativdokumenttyps, sondern wegen unpassender Härte und Verschleißfestigkeit für die tatsächliche Last. Der Dokumenttyp rettet ein Teil nicht vor vorzeitigem Verschleiß. Im Folgenden erläutern wir, worin sich Normen und technische Spezifikationen unterscheiden, welche tatsächlichen Kennwerte die Standzeit eines Polyuretanteils bestimmen und wie man technische Anforderungen so formuliert, dass der Knoten die berechnete Laufzeit erreicht.
Norm oder TU: was die Dokumente unterscheidet
Direkte Antwort: Norm und TU sind zwei Typen von Normativdokumenten und nicht zwei verschiedene Werkstoffe. Eine zwischenstaatliche Norm beschreibt allgemeine Anforderungen an einen Produkttyp, eine technische Spezifikation (TU) gibt die technischen Bedingungen für ein konkretes Erzeugnis oder Material des Herstellers vor. Beide Dokumente legen Anforderungen an Kennwerte und Kontrollmethoden fest, keines garantiert jedoch die Eignung des Teils speziell für Ihren Knoten.
Für den Ingenieur bedeutet das eine einfache Schlussfolgerung: Man muss sich nicht an den Dokumentennamen orientieren, sondern an den konkreten Zahlen darin. Ein Teil nach TU mit richtig vorgegebener Härte und Abrieb hält länger als ein Teil nach einer allgemeinen Norm, wenn deren Kennwerte nicht mit den Betriebsbedingungen übereinstimmen. Ein kompetentes Lastenheft beschreibt daher nicht den Dokumenttyp, sondern die Betriebsparameter des Knotens.
Gieß-Polyurethan ist genau deshalb praktisch, weil seine Eigenschaften durch die Rezeptur auf die Aufgabe abgestimmt werden. Durch Anpassung der Zusammensetzung erhält man ein Material mit der gewünschten Härte und Elastizität bei hoher Verschleißfestigkeit. Das Freigießverfahren ermöglicht die Fertigung eines Teils nach konkreten technischen Anforderungen, statt den Knoten einem einzigen Universalmaterial anzupassen. Standarderzeugnisse sind im Produktkatalog zusammengestellt.
Ein wichtiger Hintergedanke: Hinter derselben Normenreferenz können Teile aus verschiedenen Polyurethanqualitäten mit unterschiedlicher Härte und Verschleißfestigkeit geliefert werden. Die Norm gibt einen Rahmen zulässiger Werte und die Kontrollmethodik vor, aber innerhalb dieses Rahmens variieren die Kennwerte in einem weiten Bereich. Daher lässt die Anforderung “Polyurethan nach Norm X” ohne Härteangabe und Betriebsbedingungen dem Zulieferer Spielraum für eine günstigere Qualität, die formal dem Dokument entspricht, aber Ihrer Belastung nicht standhält.
Welche Kennwerte die Standzeit tatsächlich bestimmen
Die Standzeit eines Polyuretanteils bestimmen drei Hauptkennwerte: Abriebbeständigkeit, Betriebstemperatur und Härte. Genau diese sollte man in die technischen Anforderungen aufnehmen statt allgemeiner Formulierungen wie “verschleißfest” oder “fest”. Diese Parameter werden nach Normmethoden gemessen und sind nachprüfbar.
Die Abriebbeständigkeit wird nach DIN 53516 oder ISO 4649 bewertet: das ist der Volumenverlust des Materials in mm³ beim Normabrasivtest, und ein kleinerer Wert bedeutet höhere Beständigkeit. Bei Gieß-Polyurethan sind das 38 bis 39 mm³, während SBR-Gummi bis zu 100 bis 200 mm³ erreicht. Der mehrfache Unterschied überträgt sich direkt auf die Laufzeit des Teils im Abrasivknoten.
Die Betriebstemperatur von Gieß-Polyurethan beträgt -60 bis +100 °C, die Härte wird im Bereich 50 Shore A bis 70 Shore D vorgegeben. Diese Grenzen müssen im Lastenheft festgelegt werden, denn ein Knoten in einem kalten Lager und ein Knoten neben beheizter Anlage erfordern unterschiedliche Rezepturen. Eine praktische Faustregel: Beschreiben Sie die Betriebsbedingungen zuerst in Zahlen, dann wählen Sie das Material danach, nicht umgekehrt. Prüfmethoden und Erläuterungen der Kennwerte finden Sie in der Referenzinformation.
Vergleich von Polyurethan mit anderen Werkstoffen in Zahlen
Damit technische Anforderungen begründet sind, ist es hilfreich, Polyurethan im Vergleich mit anderen Werkstoffen anhand derselben messbaren Parameter zu sehen. Die Tabelle fasst Referenzkennwerte nach Normprüfungen zusammen.
| Werkstoff | Abrieb DIN 53516, mm³ | Betriebs-t, °C | Härte | Zugfestigkeit, MPa | Rückprallelastizität, % |
|---|---|---|---|---|---|
| Polyurethan TIMOL | 38-39 | -60…+100 | 85A-95A | 39-87 | 34-61 |
| Gummi SBR | 100-200 | -40…+80 | 40A-80A | 8-20 | 30-55 |
| Gummi NBR | 80-150 | -30…+100 | 40A-90A | 10-25 | 20-45 |
| Naturkautschuk NR | 60-130 | -50…+70 | 30A-80A | 20-30 | 40-75 |
| Caprolam PA6/PA66 | 30-90 | -40…+100 | 75D-85D | 60-85 | 5-15 |
Polyurethan zeigt den niedrigsten Abrieb unter den Elastomeren und behält dabei eine hohe Rückprallelastizität von 34 bis 61 %. Naturkautschuk hat einen höheren Rückprall, aber schlechte Ölbeständigkeit und eine Temperaturobergrenze von nur +70 °C. Caprolam ist beim Abrieb ähnlich, aber sein Rückprall beträgt nur 5 bis 15 %, sodass er unter Stoß bricht. Diese Zahlen zeigen, warum man im Lastenheft auf Kennwerte statt auf den Dokumenttyp abstellen sollte: Hinter derselben Normbezeichnung können Werkstoffe mit sehr unterschiedlicher Standzeit stehen.
Ingenieurhinweis: Statt Polyurethan nach einer bestimmten Norm zu verlangen, beschreiben Sie im Lastenheft drei Dinge: Betriebstemperaturbereich, Verschleißcharakter (Abrasiv, Stoß, Gleitung) und gewünschte Shore-Härte. Anhand dieser drei Parameter wählt der Technologe eine Rezeptur genauer als nach irgendeiner Normbezeichnung. Eine Norm ist als Methode zur Festlegung der Kontrollmethodik nützlich, nicht als Ersatz für die Ingenieurberechnung.
Wie man die Normkonformität von Polyurethan prüft
Die Prüfung beginnt mit denselben drei Parametern, die Sie im Lastenheft festgelegt haben. Die Härte wird mit einem Shore-Durometer direkt am fertigen Teil geprüft, das ist die schnellste und zugänglichste Kontrolle. Der Wert muss in den vorgegebenen Bereich 50 Shore A bis 70 Shore D für die bestellte Qualität fallen und nicht nur in den breiten Normrahmen.
Die Verschleißfestigkeit wird nach dem Normabrieb DIN 53516 oder ISO 4649 an einem Probekörper bewertet, die Medienbeständigkeit durch Lagerung einer Probe im Betriebsöl oder der Lösung geprüft. Sichtkontrolle des Teilkörpers auf Anschnitt zeigt, ob Hohlräume von schlechter Entgasung vorhanden sind. Eine praktische Abnahmeregel: Das Teil entspricht nicht dem Dokumentennamen, sondern der Gesamtheit der gemessenen Kennwerte, daher sollte das Lastenheft bereits angeben, nach welchen Methoden das Erzeugnis abgenommen wird.
Wie man technische Anforderungen an ein Polyuretanteil formuliert
Ein kompetentes Lastenheft für ein Polyuretanteil enthält Maße, die gewünschte Shore-Härte, den Betriebstemperaturbereich und eine Beschreibung der Belastung. Fügen Sie den Kontaktmediencharakter hinzu: Vorhandensein von Ölen, Wasser, Chemikalien, Abrasivstoff. Diese Daten ermöglichen die Wahl einer Rezeptur und die Berechnung der Arbeitsschichtdicke, statt auf eine einzige Universalqualität zu vertrauen.
Das Werk fertigt Teile nach Zeichnung, Skizze oder verschlissenem Muster, Sondermaße sind daher kein Problem. Das Freigießverfahren erfordert keine teure Presswerkzeuge, sodass sowohl Einzelteile als auch Serienpartien wirtschaftlich sind. Wenn ein vorhandenes Gummi- oder Metallteil vorhanden ist, kann es als Prototyp genommen und für Polyurethan neu berechnet werden.
Dieser Ansatz beseitigt die meisten Diskussionen über den Dokumenttyp noch in der Bestellphase. Statt abzustimmen, ob das Material nach Norm oder nach TU geliefert wird, legen Besteller und Technologe im Lastenheft messbare Parameter fest: Härte, Betriebstemperatur, Verschleißcharakter und Maße. Diese Zahlen sind eindeutig und nach Normprüfungen nachprüfbar, das fertige Teil entspricht also nicht dem Dokumentennamen, sondern den tatsächlichen Bedingungen des Knotens, in dem es arbeiten wird.
Für Beratung zu Kennwerten, Härtewahl und Kalkulation nach Ihrem Lastenheft wenden Sie sich über die Kontakte des Werks TIMOL. Die Ingenieure helfen, allgemeine Anforderungen in konkrete Zahlen zu übersetzen und die Fertigung des Teils für Ihren Knoten zu organisieren.
